Mauterndorf
Mauterndorf ist eine Marktgemeinde im Lungau und mit 1598 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2024) die viertgrößte Gemeinde des Gebietes. GeografieMauterndorf liegt im Tal der Südlichen Taurach. Wo diese das Gemeindegebiet nach Osten verlässt, liegt mit 1090 Meter über dem Meer der tiefste Punkt. Im Westen steigt das Land im Großen Lanschütz auf 2347 Meter an. Die Gemeinde hat eine Fläche von 32,71 Quadratkilometer. Davon sind 24 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 53 Prozent sind bewaldet und 15 Prozent entfallen auf Almen.[1] GemeindegliederungDas Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften, die zugleich die Katastralgemeinden bilden (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2024[2]):
Bis Ende Jänner 1962 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Sankt Michael im Lungau, seit dem 1. Februar 1962 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Tamsweg. Nachbargemeinden
GeschichteZur Zeit des Römischen Reiches verlief eine wichtige Römerstraße durch Mauterndorf über den Radstädter Tauern. Heute sind im Ort Römersteine aus dieser Zeit zu sehen. Etwa an der Stelle, an der heute die Burg steht, existierte schon damals ein römisches Kastell. 1002 schenkte König Heinrich II. dem Salzburger Erzbischof Hartwig einen Landbesitz, der von Neuseß bis zum Tauernpass reichte. In dieser Schenkung inbegriffen war auch das Recht eine Maut zu erheben.[3] Dies machte Mauterndorf zur ältesten Zollstätte in den Ostalpen. Der Ortsname Mauterndorf wurde allerdings erst 1144 als Mutesdorf in Lungowi erstmals erwähnt.[4] Nach dem Tod Hartwigs fiel Mauterndorf 1023, wie in einer Schenkungsurkunde verfügt, an das Salzburger Domkapitel und wurde 1217 von König Friedrich II. zum Markt erhoben. Der Ort war im Mittelalter der wichtigste Handelsplatz des Lungaus. 1253 erhielt das Domkapitel von Papst Innozenz IV. das Privileg auf eigenem Grund und Boden Befestigungen zu errichten.[5] Da Mauterndorf der einzige größere, weitgehend zusammenhängende Besitz des Domkapitels war, resultierte daraus sicher auch der Burgbau. Da das Domkapitel allerdings in dieser Zeit in gröberen finanziellen und politischen Schwierigkeiten steckte, kann ein Baubeginn 1253 ausgeschlossen werden. Sicher ist, dass zur ersten Anlage der Burg der Bergfried, die innere Ringmauer und der Pallas zählten, diese allerdings bis 1280 sicher noch nicht bewohn- und nutzbar waren.[6] Die feierliche Weihe der Burgkapelle erfolgte jedenfalls am 27. Juli 1339.[7] In Mauterndorf fanden 1291/92 Gespräche mit dem Bischof von Salzburg über die Unterstützung des Landsberger Bundes statt, eines Aufstandes steirischer Adeliger gegen Herzog Albrecht I. Im 15. Jahrhundert wurde die Burganlage von Erzbischof Leonhard von Keutschach und Dompropst Burkhard von Weißpriach erweitert. Sie diente dem Domkapitel als Administrationszentrum. 1796 floh das Domkapitel vor den anrückenden Truppen Napoleons nach Mauterndorf, das so für einige Tage dessen Sitz und damit Landeshauptort war. 1806 wurde die Burg zur Staatsverwaltung eingezogen, ab 1836 befand sie sich dann im Privatbesitz. 1813 wurde Mauterndorf eine eigenständige Pfarre, 1849 begann durch das kaiserliche provisorische Gemeindegesetz die Selbstverwaltung der Gemeinde und die Einsetzung des ersten Bürgermeisters. Im Jahr 1894 eröffnete der Endbahnhof Mauterndorf der Murtalbahn. Im selben Jahr erwarb Hermann von Epenstein, ein reicher Militärarzt aus Berlin die Burg und rettete sie vor dem Verfall. Seine Renovierungsarbeiten waren 1904 abgeschlossen.[8] Nach dem Tod Epensteins vermachte seine Witwe Lily Epenstein den Besitz testamentarisch dem Sohn der befreundeten Diplomatenfamilie Hermann Göring, der auch Taufkind Epensteins war. Nach dem Tod Lily Epensteins 1939 trat Göring das Erbe nie an und er wurde auch nicht im Grundbuch eingetragen. Trotzdem kam es nach Kriegsende zu erheblichen Rechtsstreitigkeiten. Göring hatte in jungen Jahren oft bei seinem Patenonkel im so genannten Schlossmaierhaus unterhalb der Burg gewohnt, denn ab 1898 war die Familie Göring regelmäßig zur Sommerfrische in Mauterndorf. Als Erwachsener war Hermann Göring nur mehr selten in Mauterndorf. Eine Werbetournee zum „Anschluss“ Österreichs brachte Göring am 31. März 1938 nach Mauterndorf, wo ihm 8000 Lungauer einen begeisterten Empfang bereiteten. Bereits im Vorfeld berichteten die Salzburger Zeitungen, unter anderem die Tauernpost, ausführlich über die Ahnenreihe und die Mauterndorfer Berührungspunkte Görings, eine angeblich erfolgte Ernennung zum Ehrenbürger am 15. März 1938 fand keinerlei Erwähnung.[9] Zu Kriegsende 1945 wollte Göring nach Mauterndorf fliehen, aufgrund der Entwicklung der Frontverläufe kam es aber nicht mehr dazu.[10] 1968 erwarb das Land Salzburg die Burg und renovierte sie von 1979 bis 1982 mit einem Kapital von 20 Millionen Schilling (ca. 1,5 Millionen Euro). 1997 sorgte der Amoklauf von Mauterndorf für Aufsehen. Ehrenbürgerschaft GöringsViele Jahrzehnte nach 1938 beschäftigte die Causa Ehrenbürgerschaft Göring die Öffentlichkeit. Aufgewirbelt wurde sie erst als die Gemeinde 1967 anlässlich 750 Jahre Markterhebung ein Heimatbuch vom Kärntner Volksschuldirektor, Publizisten und Volksschriftsteller Matthias Maierbrugger (1913–1991) herausgeben ließ. Darin listete der Verfasser unter der Nr. 11 den 1946 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilten Hermann Göring auf,[11] der angeblich wegen der Finanzierung des Baus der Wasserleitung von Mauterndorf zum Ehrenbürger ernannt worden sein soll. Die Überprüfung dieser Behauptung war schwierig, da im Gemeindearchiv keine Protokolle aus dieser Zeit vorlagen und auch in den zeitgenössischen Beiträgen der Tauern-Post jeder Hinweis auf eine Ehrenbürgerschaftsverleihung an Göring durch die Gemeinde Mauterndorf fehlt – dies ganz im Gegensatz zu Tamsweg. Auch in Zeitungsbeiträgen über den Wasserleitungsbau wird Göring mit keinem Wort erwähnt. Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Ortschronik von Mauterndorf Mauterndorf – Der königliche Markt (2017) tauchte dann ein Protokoll der NSDAP-Ortsgruppe Mauterndorf vom 17. März 1938 auf, das den Beschluss einer Ehrenbürgerschaftsverleihung durch diese Ortsgruppe am 15. März festhält. Der Auftrag für die Erstellung der Ehrenbürgerschaftsurkunde erging offenbar an den Künstler Lucas Suppin. Diese wurde allerdings nicht fertiggestellt. Der Entwurf ist erhalten.[12] Ob eine offizielle Verleihung jemals stattfand, erscheint aus heutiger Sicht zweifelhaft. Diese mögliche Ehrenbürgerschaft wurde Göring bis heute nicht offiziell aberkannt. Der damalige Bürgermeister von Mauterndorf Wolfgang Eder hielt 2007 eine Aberkennung nicht für sinnvoll, denn mit Görings Tod sei die Ehrenbürgerschaft ohnehin erloschen.[13] Ein Rechtsgutachten bestätigt dies und auch die vom alliierten Kontrollrat am 12. Oktober 1946 erlassene Direktive stellt klar, dass Göring als verurteilter Verbrecher aller Ehrungen verlustig geworden war. Ebenso ist im Hinblick auf die österreichischen Verfassungs- und Rechts-Überleitungsgesetze von 1945 das Bestehen einer rechtmäßigen Ehrenbürgerschaft Görings auszuschließen.[14] Bevölkerungsentwicklung
PolitikGemeinderatDie Gemeindevertretung hat insgesamt 17 Mitglieder.
Bürgermeister
WappenDas Wappen der Gemeinde ist: In einem gespaltenen Schild vorne in Schwarz ein silberner gestürzter, geschmiedeter Nagel, (der an die Zeit erinnert wo im Lungau noch Eisenerz abgebaut wurde) und hinten in Rot ein silbernes Tatzen-Kreuz mit größerem Längsbalken (das an die Zeit des Salzburger Domkapitels erinnert). GemeindepartnerschaftenDie Partnerschaftsgemeinde von Mauterndorf ist Cadolzburg in Bayern. Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sonstige Kunstwerke
Natur
Regelmäßige Veranstaltungen
Wirtschaft und InfrastrukturHaupteinkommensquelle ist der Fremdenverkehr mit jährlich 245.000 Übernachtungen. Besondere touristische Höhepunkte sind im Sommer das Mittelalterfest, die berühmten Samsonumzüge und im Winter das Familienskigebiet Grosseck-Speiereck. Verkehr
BildungDie Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Volksschule. Öffentliche Einrichtungen
Persönlichkeiten
WeblinksCommons: Mauterndorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
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