Im Unterschied zu anderen bekannten Derbys im deutschen Fußball, etwa dem Münchner Stadtderby, wurde das Leipziger Stadtderby nicht zwischen zwei kontinuierlich existierenden Vereinen ausgetragen: Vielmehr spiegeln sich in der wechselvollen Geschichte der fußballerischen Rivalität zwischen den beiden Leipziger Stadtteilen die für die Entwicklung des Fußballs in Ostdeutschland im 20. Jahrhundert typischen Brüche wieder: Auflösung der Vereine nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, mehrere von staatlicher Seite verordnete Umstrukturierungen in der Vereinslandschaft in der Zeit der DDR sowie finanzielle Schwierigkeiten und Insolvenzen nach der Wiedervereinigung führten auf beiden Seiten zu Fusionen, Namenswechseln und Neugründungen. Dieses hohe Maß an institutioneller Diskontinuität wird in bemerkenswerter Weise durch die stark ausgeprägte Kontinuität der jeweiligen Anhängerschaften kontrastiert, die all diese Umbrüche überdauern konnten.
Der derzeit erfolgreichste Leipziger Fußballverein RB Leipzig hat in seiner noch jungen Geschichte bisher kaum sportliche Berührungspunkte mit anderen Leipziger Vereinen gehabt, sodass sich noch keine innerstädtischen Rivalitäten entwickeln konnten, die den Begriff „Derby“ rechtfertigen würden und mit der Rivalität „Leutzsch–Probstheida“ vergleichbar wären. Eine Auflistung der bisherigen Begegnungen findet sich unter „Weitere Leipziger Derbys“.
Amtierender Derbysieger ist die BSG Chemie Leipzig, die sich im 111. Pflichtspiel- und bis dato letzten Stadtderby am 5. Mai 2024 auswärts mit 2:0 durchsetzen konnte. In der Gesamtbilanz der Pflichtspiele führen der 1. FC Lokomotive Leipzig und seine Vorgängervereine, die bisher 52 Derbys für sich entscheiden konnten. Die BSG Chemie und ihre Vorgänger gewannen das Derby bislang 37 Mal. 22 Leipziger Stadtderbys endeten unentschieden.
Die Geschichte sowohl des Leutzscher als auch des Probstheidaer Fußballs ist durch eine Vielzahl (sport-)politisch und finanziell bedingter institutioneller Brüche geprägt. Beide heute existierenden Vereine sind nicht in rechtlichem Sinne mit ihren verschiedenen Vorgängern identisch, die außerdem jeweils eine Vielzahl unterschiedlicher Namen getragen haben. Zur Verwirrung trägt bei, dass beide Vereine in der Vergangenheit – unabhängig voneinander – bereits den Namen „Lokomotive“ trugen.[1] Diese Entwicklungen wird im Folgenden in vereinfachter Form zusammengefasst.
Fußball in Leutzsch
1899–1922
FC Britannia 1899 Leipzig
1922–1932
Leipziger SV 1899
1932–1938
Tura 1932 Leipzig / Leipziger SV 1899
1938–1945
TuRa 1899 Leipzig
1946–1949
SG Leipzig-Leutzsch
1949–1950
ZSG Industrie Leipzig
1950–1954
BSG Chemie Leipzig
1954–1963
SC Lokomotive Leipzig / BSG Chemie Leipzig-West
1963–1990
BSG Chemie Leipzig
1990
FC Grün-Weiß 1990 Leipzig
1990–2008
FC Sachsen Leipzig
2008–2011
FC Sachsen Leipzig / BSG Chemie Leipzig
2011–2014
BSG Chemie Leipzig / SG Sachsen Leipzig
seit 2014
BSG Chemie Leipzig
Die Geschichte des Leutzscher Fußballs beginnt mit dem FC Britannia 1899 Leipzig. Nach einer Reihe von Verschmelzungen, fusionierte dieser Verein 1938 mit dem SV 1932 Tura zum neuen „Großverein im Westen“ Tura 1899 Leipzig. Tura '32 spielte ab 1936 erstklassig (Gauliga Sachsen). Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 erfolgte aufgrund der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates die Auflösung des Vereins. Bereits 1946 erfolgte die Neugründung des Vereins unter dem Namen SG Leipzig-Leutzsch. 1949 fusionierte die SG Leipzig-Leutzsch mit der SG Lindenau-Hafen zur ZSG Industrie Leipzig.
Aufgrund der Neuorganisation der DDR-Sportvereine im Jahr 1950 wurde die ZSG am 16. August 1950 in eine Betriebssportgemeinschaft (Trägerbetrieb VEB Lacke und Farben Leipzig) umgewandelt; der Verein trug nun erstmals den Namen BSG Chemie Leipzig. In der Saison 1950/51 wurde die BSG Chemie DDR-Meister und holte somit die erste Meisterschaft nach Leutzsch. Im Jahr 1954 erfolgte eine erneute Umstrukturierung im Leipziger Fußball, in deren Folge die erste Mannschaft der BSG Chemie von dem neugegründeten SC Lokomotive Leipzig übernommen wurde. Der SC Lokomotive gewann 1957 den FDGB-Pokal.
Im Jahr 1963 kam es zu einer weiteren Umstrukturierung der Vereinslandschaft: Der SC Lokomotive wurde mit dem Stadtrivalen SC Rotation Leipzig zum SC Leipzig vereinigt. Mit dieser Fusion war das Ziel verbunden, die Kräfte im Leipziger Fußball zu bündeln. Da durch die Fusion ein Platz in der DDR-Oberliga frei wurde, konnte die BSG Chemie Leipzig in die Oberliga zurückkehren; allerdings wurden der BSG Chemie nur die als weniger förderungswürdig erachteten Spieler zugeteilt. Was folgte, war die wohl größte Sensation in der Geschichte des DDR-Fußballs: Die auf dem Papier deutlich schwächer als der Stadtrivale besetzte und vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte BSG Chemie wurde sensationell DDR-Meister und holte die zweite Meisterschaft.[2] Es ist seitdem keinem Leipziger Verein mehr gelungen, einen nationalen Meistertitel zu erringen. In der Saison 1965/66 gelang der BSG Chemie noch ein weiterer FDGB-Pokalsieg; danach entwickelte sie sich zunehmend zu einer „Fahrstuhlmannschaft“.
Im Jahr 1990 folgte im Zuge der sich abzeichnenden Deutschen Wiedervereinigung und den damit verbundenen Folgen für den Fußballspielbetrieb zunächst eine Umbenennung in FC Grün-Weiß 1990 Leipzig und kurz danach eine Fusion mit der BSG Chemie Böhlen, durch die ein Startplatz in der letztmals erstklassigen NOFV-Oberliga 1990/91 gesichert werden konnte. Der Verein, der nach der Fusion den Namen FC Sachsen Leipzig trug, konnte in den Jahren nach der Wiedervereinigung seine selbstgesteckten sportlichen Ziele nie erreichen und kam zu keinem Zeitpunkt über den drittklassigen Ligaspielbetrieb hinaus. Hinzu kamen wiederholt finanzielle Schwierigkeiten und politische Konflikte in der Anhängerschaft: Wie bei vielen ostdeutschen Vereinen kam es auch beim FC Sachsen in den 90er Jahren zu einer zunehmenden Unterwanderung der Fanszene durch rechtsextreme Gruppierungen. Im Unterschied zu den meisten anderen Vereinen setzte sich in Leutzsch die organisierte Fanszene, etwa die Ultra-GruppeDiablos Leutzsch, seit den frühen 2000er Jahren entschieden gegen diese Entwicklung zur Wehr.
Nicht zuletzt die sich daraus ergebenden Konflikte führten dazu, dass im Jahr 2008 ein bereits 1997 gegründeter Förderverein des FC Sachsen wieder unter dem Namen BSG Chemie Leipzig den Spielbetrieb in der zwölftklassigen 3. Kreisklasse aufnahm. Da die organisierte Fanszene des FC Sachsen sowie zahlreiche weitere Anhänger diesen Schritt mitvollzogen, kam es zu einer Spaltung des Leutzscher Fußballs, die bis 2014 andauerte. Der FC Sachsen wurde zwar 2011 nach einer weiteren Insolvenz aufgelöst, allerdings wurde unter dem Namen SG Leipzig-Leutzsch (später SG Sachsen Leipzig) noch ein weiterer Neugründungsversuch unternommen, der aber bereits nach drei Jahren an einer erneuten Insolvenz scheiterte. Während der 2014 gegründete LFV Sachsen Leipzig nie über die unteren Ligen hinauskam, entwickelte sich die „neue“ BSG Chemie hingegen deutlich erfolgreicher und spielt mittlerweile nach zahlreichen Aufstiegen in der viertklassigen Regionalliga.
Fußball in Probstheida
1893–1896
Sportbrüder Leipzig
1896–1898
Sportbrüder Leipzig / VfB Leipzig
1898–1900
VfB Sportbrüder 1893 Leipzig
1900–1945
VfB Leipzig
1945–1949
SG Leipzig-Probstheida
1949–1950
BSG Erich Zeigner
1950–1954
BSG Einheit Leipzig-Ost
1954–1963
SC Rotation Leipzig / SC Lokomotive Leipzig
1963–1966
SC Leipzig
1966–1991
1. FC Lokomotive Leipzig
1991–2004
VfB Leipzig
2004–2021
1. FC Lokomotive Leipzig
seit 2021
1. Fußballclub Lokomotive Leipzig, Verein für Bewegungsspiele e.V.
Die Geschichte des Probstheidaer Fußballs beginnt mit dem VfB Leipzig, der 1903 erster Deutscher Fußball-Meister wurde und 1906 sowie 1913 zwei weitere Meistertitel erringen konnte. Ein weiterer Titel wurde im Tschammerpokal 1936 gewonnen. Auch der VfB Leipzig wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgelöst und reorganisierte sich zunächst unter dem Namen SG Leipzig-Probstheida. 1949 wurde der Verein in BSG Erich Zeigner umbenannt, bereits ein Jahr später in BSG Einheit Leipzig-Ost.[3] Im Zuge der ersten großen Umstrukturierung des Vereinsfußballs in der DDR 1954 ging die BSG Einheit Leipzig-Ost im SC Rotation Leipzig auf.[4] Der SC Rotation fusionierte 1963 mit dem SC Lokomotive Leipzig zum SC Leipzig (siehe oben). Deshalb gilt der SC Leipzig als Nachfolger des SC Lokomotive.[5]
1966 wurde die Fußballabteilung des SC Leipzig aus dem Verein ausgegliedert und trat fortan unter dem Namen 1. FC Lokomotive Leipzig als eigenständiger Verein auf.[6] Obgleich sich der 1. FC Lokomotive bald zur sportlichen Nummer eins der Stadt entwickeln konnte, gelang ihm nie eine DDR-Meisterschaft, dafür nach dem Pokalsieg 1957 als SC Lok noch weitere vier FDGB-Pokalsiege (1976, 1981, 1986 und 1987) sowie eine Teilnahme am Finale des Europapokals der Pokalsieger 1986/87.
Nach der Wiedervereinigung nahm der Verein wieder seinen alten Namen VfB Leipzig an.[7] In der Saison 1993/94 spielte der VfB in der 1. Bundesliga, spielte dort aber die bis heute zweitschlechteste Saison aller Bundesligateilnehmer und verfehlte den Klassenerhalt deutlich. Es sollte bis 2016 die letzte Teilnahme einer Leipziger Mannschaft in der höchsten Deutschen Spielklasse sein. 2004 musste der VfB Leipzig Insolvenz anmelden und meldete alle Teams aus dem Spielbetrieb ab. Bereits im Jahr zuvor wurde, erneut unter dem Namen 1. FC Lokomotive Leipzig, ein Nachfolgeverein gegründet, der in der 3. Kreisklasse von vorne anfing, mittlerweile aber in der viertklassigen Regionalliga spielt. Mit Wirkung vom 8. Oktober 2021 sind der VfB Leipzig und der 1. FC Lokomotive fusioniert zum 1. Fußballclub Lokomotive Leipzig, Verein für Bewegungsspiele e.V.[8]
Die Rivalität
Die Gründe für die über eine reine Lokalrivalität hinausgehende fußballerische Rivalität zwischen Leutzsch und Probstheida sind komplex und haben im Laufe der Zeit auch mehrfach einen Wandel erfahren. In der Anfangszeit gab der Antagonismus zwischen dem alteingesessenen, „gutbürgerlichen“ VfB Leipzig und dem neugegründeten Verein TuRa Leipzig, der im von der Industrie geprägten Leipziger Westen ein eher „proletarisches“ Publikum anzog, den Ausschlag.[9] Jedenfalls waren schon die ersten Spiele zwischen beiden Vereinen von Derby-typischen Begleiterscheinungen wie handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern gekennzeichnet.[10]
Eine politische Komponente hat die Rivalität spätestens seit den Umstrukturierungen im Jahr 1963: Der Umstand, dass der neugegründete SC Leipzig in Probstheida zum Leistungszentrum des Leipziger Fußballs gemacht werden sollte, während die BSG Chemie zum „Rest von Leipzig“ degradiert wurde, und die in den folgenden Jahrzehnten grundsätzliche Benachteiligung der Betriebssportgemeinschaften gegenüber den Sportclubs in der DDR führte dazu, dass sich die Leutzscher Anhängerschaft zunehmend als „oppositionell“ verstand, während der 1. FC Lokomotive als „staatsnah“ betrachtet wurde.[11] Ob diese Zuschreibungen in dieser Pauschalität zutreffend sind, ist strittig.[12]
In jüngerer Zeit spielt der Umstand eine Rolle, dass die Leutzscher Anhängerschaft in erheblichen Teilen durch ein politisch eher linkes und studentisches Milieu geprägt ist, während Teilen der Probstheidaer Anhänger – bedingt auch durch eine Reihe von entsprechenden Vorfällen – eine Nähe zu rechtsextremen Strömungen unterstellt wird.[13][14]
Die Spielstätten
Seit einigen Jahren finden die Derbys wieder in den jeweiligen Heimstadien in Leutzsch und Probstheida statt. Das war nicht immer so. Zu Zeiten der DDR fanden nahezu alle Duelle im neutralen und zentrumsnahen Zentralstadion statt, einige wenige auch im Stadion des Friedens im Leipziger Norden. Viele der ganz frühen Pflichtspielderbys wurden auf dem 1892 errichteten Sportplatz Leipzig, dem ersten richtigen Stadion der Stadt ausgetragen. Erst mit den 1910er und 1920er Jahren begannen Vereine sich in Leutzsch, Probstheida oder auch Fortuna in Paunsdorf große Stadien zu bauen.[15] Dies ist eine Auflistung mit kurzer Beschreibung der acht Stadien, in denen mindestens ein Pflichtspielderby stattfand:
Sportplatz Leipzig 1892 erbaut, Ende der 1930er abgerissen. Ort des allerersten Derbys. Es fasste 20.000 Zuschauer[16] und war 1912 Spielort das Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande. Leipziger Spitzenclubs wie Wacker oder der VfB mieteten die Anlage in Ermangelung eines eigenen Stadions. Heute steht an der Stelle u. a. die Leipziger Kleinmesse und das Trainingszentrum von RB Leipzig.
Olympiaplatz, 1907 erbaut am Scherbelberg im Rosenthal[17] heute unter dem Namen Mühlwiese bekannt und durch einen weiteren Platz an der Waldstraße ergänzt. Zuschauerrekord: 10.000 vom 30. März 1913 SpVgg Leipzig vs. VfB Leipzig.[18] Britannia spielte hier 1921 mindestens ein Derby gegen den VfB vor der Fertigstellung des „99er“. In Nutzung von DFB Gründungsmitglied SG Olympia 1896 Leipzig.
Karl-Enders-Sportpark, 1911 erbaut, bis 1947 auch „Spielvereinigungs Sportpark“. Austragungsort des 1946er Ortsderbys. Heimat des zweimaligen Halbfinalisten um die Deutsche Meisterschaft SpVgg 1899 Leipzig, welcher hier in seiner Hochphase in den 1910er und 1920er auch Spiele gegen Boca Juniors[19] und Celtic Glasgow[20] austrug.
Alfred-Kunze-Sportpark, 1920 eingeweiht, zwischen 1949 und 1992 auch Georg-Schwarz-Sportpark. Zuhause von Chemie und Spielstätte einiger der wildesten Derbys. Frühere Nutzer waren TuRa Leipzig und der FC Sachsen Leipzig. Zuschauerrekord: 32.000, 1950 bei der Partie zwischen Chemie und Turbine Erfurt.
99er, 1921 eingeweiht, war Heimat des frühsten Chemie Vorgängers FC Britannia 1899 Leipzig. Mindestens drei Derbys wurden an der Merseburgerstraße ausgetragen. Die „Neue BSG“ spielte hier von 2008 bis 2011.[21] Heute offiziell „Willie-Kühn-Sportpark“ und in Nutzung von einem der Britannia Nachfolgevereine SV Leipzig Nordwest.
Bruno-Plache-Stadion früher Probstheidaer Stadion, 1922 vom VfB Leipzig erbaut,[22] eingeweiht und Ort einer Vielzahl von Derbys. Das Wiederholungsspiel des Endspiels um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1921/22 zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FC Nürnberg wurde am 6. August 1922 vor 50.000 Zuschauer hier ausgetragen. Chemie Leipzig wich in den 1950er häufig bei Spielen mit hoher Zuschauerzahl ins „Bruno“ aus und stellte am 23. August 1951 gegen den Hamburger SV auch den bis heute gültigen Zuschauerrekord von 70.000 Zuschauern auf.[23] Aber auch andere Leipziger Teams spielten hier vor vielen Zuschauern, beispielsweise: Vorwärts Leipzig vor 46.000 am 1. Januar 1953 gegen Dinamo Bukarest.[24] Weiterhin in Nutzung von VfB Nachfolger 1. FC Lokomotive Leipzig.
Stadion des Friedens, 1923 als Wackerpark vom damals renommierten Sport Club Wacker Leipzig erbaut und eingeweiht mit einer Kapazität von 30.000.[25] Zwischen 1923 und 1932 mindestens vier Mal neutraler Spielort im K.O.-System um die Deutsche Meisterschaft. Nach Renovierung und Ausbau ab 1951 für 50.000 Zuschauer zugelassen. In den 1950er und 1980er Jahren Spielstätte von Derbys zwischen Chemie und Lok, um die sich teils wilde Legenden ranken.[26] Das 1983er Derby war mit 30.000 Zuschauern offiziell ausverkauft.[27] Aber auch TSG Chemie Markkleeberg und Vorwärts Leipzig wichen für ihre Zuschauerträchtigen Spiele gegen Chemie und/oder Lok an die Max-Liebermann-Straße aus. Heutzutage in Nutzung des inoffiziellen Wacker Nachfolgers MoGoNo.
Zentralstadion, 1956 eingeweiht und aufgrund des Fassungsvermögens auch „Stadion der Hunderttausend“ genannt. Die meisten Derbys während der DDR-Zeit fanden hier statt. Außerdem fanden viele Europapokalspiele von Lok und einige von Chemie hier statt, so wie Länderspiele der DDR-Auswahl. Beim ausverkauften Derby am 8. September 1956 wurde mit 100.000 Zuschauern ein gesamtdeutscher Zuschauerrekord für Punktspiele aufgestellt der bis heute Gültigkeit besitzt.[28] Zwischen 2000 und 2004 wurde in das weite Rund des alten Stadions eine neue Arena gebaut und 2004 eingeweiht. 2010 erfolgte die Umbenennung in Red Bull Arena. Am 25. April 2011 fand das bisher letzte Derby zwischen einem Leutzscher und einem Probstheidaer Club hier statt.
Abgebrochen beim Stand von 2:2, gewertet für die SG Leipzig-Leutzsch (Schiedsrichter Jähnichen verhängte in der 54. Minute beim Stand von 2:2 einen Elfmeter gegen die Gastgeber. Die Probstheidaer Spieler fühlten sich ungerecht behandelt, verließen daraufhin das Feld und provozierten somit den Abbruch der Begegnung.)
2
Das Rückspiel in der Regionalligasaison 2019/20 konnte aufgrund des Abbruchs der Saison wegen der COVID-19-Pandemie in Deutschland im Frühjahr 2020 nicht ausgetragen werden. Die Saison 2020/21 wurde abgebrochen, bevor es zu einem Aufeinandertreffen kam.
Neben der Kontinuität Leutzsch vs. Probstheida, mit ihren jeweils existierenden Vereinen, gab und gibt es noch weitere „Ortsderbys“, welche zu ihrer jeweiligen Epoche von Bedeutung sind. Dabei sind drei Phasen mit jeweils nur in dieser Zeitspanne relevanten Vereinen festzustellen. Phase I beinhaltet die Zeit um die Gründung des DFB 1900 in Leipzig bis 1945. In dieser waren vor allem die Duelle der vier sportlich erfolgreichsten Vereine: VfB, Fortuna, SpVgg und Wacker, welche alle mindestens einmal das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft erreichten, so wie ab den 1930ern Tura von typischer Derby-Atmosphäre geprägt. Die genannten Clubs verfügten auch alle spätestens ab den frühen 1920ern über große Stadien, welche zwischen 20.000 und 60.000 Zuschauer fassen konnten.[44] „Besonders die vielen Ortsderbys in Leipzig waren unvergessene Höhepunkte in der Fußballgeschichte der Stadt“[45] Phase zwei umfasst die Jahre während der Teilung Deutschlands von 1945 bis 1990. Die Clubs wurden aufgelöst und teilweise unter anderem Namen neugegründet. Außerdem entstanden von der Sportpolitik künstlich geschaffene „Erfolgsmodelle“ wie beispielsweise Vorwärts Leipzig – ein Club, der den Platzhirschen aus Leutzsch und Probstheida zum Entsetzen der Bevölkerung die besten Spieler wegnahm, dessen erste Inkarnation aber während (!) der Saison 1952/1953 nach Berlin delegiert wurde.[46] Phase drei beinhaltet die Zeit seit der Wiedervereinigung bis zum Jahre 2022. Mit RB Leipzig wiederholte sich ein Stück weit die Geschichte, dass ein Verein künstlich geschaffen und einfach in eine sportlich noch nicht erreichte Liga „gesetzt“ wurde.[47] Waren es zu „Ostzeiten“ noch Partei- und Sportfunktionäre, sollten nun Unternehmer die treibenden Kräfte sein. Außerdem fällt hierein auch die bemerkenswerte Zeit der Leutzscher Teilung von 2008 bis 2014 mit einigen Derbys, welche Leipzig in 100 Jahren Fußballgeschichte so auch noch nicht erlebt hatte.[48]
„…die Gegner […] ritten wechselweise schnittige Attacken und schufen dadurch die rechte >Großkampfstimmung<…“[65]
Phase 2 – 1945 bis 1990: Alle Bürgerlichen Fußballvereine wurden 1945 aufgelöst.
Die hier vorkommenden Nachfolger des VfB Leipzig heißen: SC Rotation Leipzig, SC Leipzig und 1. FC Lokomotive Leipzig
Im Fall von TuRa Leipzig: BSG Chemie Leipzig, SC Lokomotive Leipzig und BSG Chemie Leipzig West
Fortuna Leipzig firmiert jetzt unter dem Namen: BSG Lokomotive Leipzig-Ost
Der Verein Vorwärts Leipzig ist eine Neugründung, welcher das Spielrecht der höchsten Liga vom „Präsidium der Sektion Fußball der DDR“ aus ideologischen Gründen erhielt[66]
Zu beachten ist: Während der Zeit von 1954 bis 1963 spielte die neugegründete SC Lokomotive mit dem Spielrecht der BSG Chemie in der DDR-Oberliga, während die BSG auf Bezirks und Kreisklassen Ebene antreten musste.[67]
„Tragen Sie durch ein sportlich faires Verhalten mit dazu bei, dass das heutige Ortsderby als eine würdige Veranstaltung unserer sozialistischen Sportbewegung abläuft.“[86]
Phase 3 – 1990 bis 2022: Mit der Wiedervereinigung änderten die Vereine wieder ihre Namen (In Klammern Jahreszahl bei Neugründung)
Die hier vorkommenden Nachfolger des 1. FC Lokomotive Leipzig heißen: 1. FC Lokomotive Leipzig (2003) und 1. Fußballclub Lokomotive Leipzig, Verein für Bewegungsspiele e.V.[91]
Im Fall der BSG Chemie Leipzig: FC Sachsen Leipzig, BSG Chemie Leipzig (1997), SG Leipzig-Leutzsch (2011)
Aus der TSG Chemie Markkleeberg hat sich der 1. FC Markkleeberg gegründet
Der Verein RB Leipzig ist eine Neugründung, welcher 2009 das Spielrecht für die fünften Liga vom SSV Markranstädt abkaufte.[92]
Der Verein Roter Stern Leipzig ist ein 1999 gegründeter Club, welcher ganz normal in der untersten, damals 11. Liga startete[93]
Zu beachten ist: Während der Zeit von 2008 bis 2014 sahen sich sowohl der FC Sachsen/SG Leipzig-Leutzsch als auch die BSG Chemie als „der“ Leutzscher Verein.[94]
Dr. Hans Werner Stadie/Steffen Reichert: Ein Jahrhundert VfB Leipzig. Die Chronik des ersten deutschen Fußballmeisters, Leipzig 1993, ISBN, keine vorhanden!.
Jens Fuge: Ein Jahrhundert Leipziger Fußball (Band 1), Leipzig 1996, ISBN 3-928833-23-5
Jens Fuge: Ein Jahrhundert Leipziger Fußball (Band 2), Leipzig 1997, ISBN 3-928833-45-6
Thomas Franke/Veit Pätzug: Von Athen nach Althen. Die Fanszene von Lok Leipzig zwischen Europacup und Kreisklasse, Leipzig 2006, ISBN 3-9810516-5-3
Hanns Leske: Vorwärts - Armee-Fußball im DDR-Sozialismus. Aufstieg und Fall des ASK/FC Vorwärts Leipzig / Berlin / Frankfurt Die Werkstatt, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-647-8
Freundeskreis Probstheida (Hg.): 1. FC Lokomotive Leipzig. Fußballfibel, Berlin 2016, ISBN 978-3-944068-48-0.
Jens Fuge: Steigt ein Fahnenwald empor. Chemie Leipzig und seine Fans Bd. 1, Fuchshain 2016, ISBN 978-3-9816023-5-7
Jens Fuge: Kennst du den Platz, wo die Sonne stehts lacht?. Chemie Leipzig und seine Fans (Band II), Fuchshain 2017, ISBN 978-3-9816023-6-4
Jens Fuge: Du bist der Schrecken aller Klassen. Chemie Leipzig und seine Fans, Band III, Fuchshain 2018, ISBN 978-3-9816023-7-1