Der Löwe mit den sieben Köpfen
Der Löwe mit den sieben Köpfen (Originaltitel: Der Leone have sept cabeças) ist ein 1969 im soeben kommunistisch gewordenen Kongo entstandener, französisch-italienischer Spielfilm des vor der Militärdiktatur in seiner Heimat Brasilien geflohenen Regisseurs Glauber Rocha. HandlungIrgendwo in Afrika, in den ausgehenden 1960er Jahren. Ein weißer Jesuitenpriester zieht durch das Land und verkündet das anstehende Ende der Welt. Bei seiner Pilgertour gerät eines Tages der kommunistische Revolutionär Pablo in die Fänge des europäischen Heilsverkünders. Pablo ist die symbolhafte Menschwerdung des lateinamerikanischen Aufbegehrens gegen die Unterdrückung durch die Alte Welt und deren Strukturen. Der christliche Missionar reicht seinen Gefangenen an Vertreter ausländischer Einflussgeber im Lande weiter. Es handelt sich dabei u. a. um einen US-Agenten, einen kapitalistischen Investor aus Portugal und einen deutschen Söldner. Diese Männer halten sich vor Ort einen schwarzen Despoten und Schergen als präsidiale Staatschef-Marionette. Pablo ist gekommen, um sich mit den antikolonialistischen Kämpfern Schwarzafrikas zu solidarisieren und zu verbünden. Seine Befreiung und anschließende Verbrüderung mit dem schwarzen Guerillero Zumbi gibt den Unterdrückten die Hoffnung, sich von den Ketten kolonialeuropäischer Unterdrückung final zu befreien. Als symbolhafte Befreiungstat wird am Ende eine nackte blonde Nymphe (mit dem deutschen Namen Marlene), die als „Hure Europa“ für den erbärmlichen Zustand Schwarzafrikas verantwortlich gemacht wird, gekreuzigt. ProduktionsnotizenDer Löwe mit den sieben Köpfen entstand 1969 in der ehemals französischen Kolonie Brazzaville-Kongo und wurde 1970 während der Filmfestspiele in Venedig uraufgeführt. Die deutsche Premiere fiel auf den 11. Februar 1972. Der essayistische Film ist in Gestalt eines politischen Pamphlets gestaltet und wurde von Rocha als scharfe Abrechnung mit dem europäischen Kolonialismus in der Dritten Welt konzipiert. Darauf weisen auch die fünf verschiedensprachigen Worte des Filmtitels – „Der“ (deutsch), „leone“ (italienisch), „have“ (englisch), „sept“ (französisch), „cabeças“ (portugiesisch) – hin. Rocha hat auf ein starres Drehbuch verzichtet und stattdessen improvisiert.[1] Der Film gleicht über weite Strecken stark assoziativen Szenenanordnungen ohne einen festen Handlungsrahmen und lebt ganz von seinen cineastischen Metaphern und Rochas bewusst eingesetzten, inszenatorischen Schockelementen. Kritiken
– Der Spiegel, 9/1972
– Reclams Filmführer, von Dieter Krusche, Mitarbeit: Jürgen Labenski. S. 530. Stuttgart 1973
– film.at
Einzelnachweise
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