Adolf Schlabitz wurde als zweites Kind eines Seifensiedemeisters 1854 in Groß-Wartenberg (Schlesien) geboren. Mit 21 Jahren wurde er 1875 Schüler (u. a. bei Paul Thumann, Otto Knille, Karl Gussow und Ernst Hildebrand)[1] an der Kunstakademie in Berlin, die er bis 1882 besuchte. Mit Hilfe eines Stipendiums (Rohr’scher Preis), das er für das Bild „Gerichtsverhandlung im Schwurgerichtssaal des Breslauer Landgerichts“ erhielt, konnte er ab 1883 unter anderem seine Studien an der Académie Julian in Paris unter Jules-Joseph Lefebvre und Gustave Boulanger fortsetzen. Weitere Studienreisen führten ihn durch Europa und in die USA. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich lebte er zunächst drei Jahre in München, bevor er 1887 nach Berlin zog und eine private Zeichen- und Malschule eröffnete. Parallel zu dieser Tätigkeit war Schlabitz etwa zwanzig Jahre Assistent von Ernst Henseler an der Technischen Hochschule. 1908 übernahm er die Assistenz in der Zeichenklasse von Ernst Hancke an der königlichen akademischen Hochschule für bildende Künste. 1911 wurde ihm auf Antrag von Anton von Werner für seine „hervorragende künstlerische Lehrtätigkeit“ und sein künstlerisches Werk der Professorentitel zuerkannt. Während seiner Lehrtätigkeit, die er bis 1918 wahrnahm, gehörten zu seinen Schülern:
1907 fertigte er für das Realgymnasium der Stadt Eilenburg (heute Volkshochschule Nordsachsen) das Monumentalgemälde „Martin Rinckarts Bittgottesdienst“ an.
Bereits 1901 erwarb er ein Haus („Brantnerhäusl“) mit Grundstück in Brixlegg, das er zunächst als Feriendomizil im Sommer und ab 1921 als ständigen Wohnsitz nutzte.
Neben der Malerei galt seine Leidenschaft dem Sammeln von Volkskunst (ethnographische Sammlung). Adolf Schlabitz war sowohl Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste, im Berliner Kunstverein sowie im Verein Berliner Künstler. Von 1935 bis April 1941 gehörte er (als ältestes Mitglied) der Ateliergemeinschaft Klosterstraße (Atelier Nr. 105) an.[2]
Schlabitz verstarb 1943 wenige Monate nach seinem 89. Geburtstag in Brixlegg und wurde in Groß-Wartenberg beigesetzt.
Werke (Auswahl)
Gerichtsverhandlung im Schwurgerichtssaal des Breslauer Landgerichts, 1882
Das grüne Fräulein, 1882
Mitwirkung am Sedan-Panorama von Anton von Werner, Rundbild im Sedan-Panorama am Bahnhof Alexanderplatz in Berlin, 1883
Ein Solo, 1886
Die Bresche von Leuthen, 1887
Tiroler Landschaft im Unterinntal, 1887
Old huntsman, 1889
Halbportrait einer jungen Tirolerin im Profil, 1903
Ausstellung "Deutsche Malerei – Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes an das deutsche Volk", Berlin, 1953/54
Literatur
Schlabitz, Adolf. In: Friedrich von Boetticher:Malerwerke des 19. Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Band 2/2, Bogen 33–67: Saal–Zwengauer. Fr. v. Boetticher’s Verlag, Dresden 1901, S. 573–574 (Textarchiv – Internet Archive).
Schlabitz, Adolf. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band4: Q–U. E. A. Seemann, Leipzig 1958, S.189 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
Uwe Claassen: Ländliche Interieurs um 1900. in: Schriftenreihe Museum Europäischer Kulturen – Band 1: Faszination Bild. Kultur Kontakte Europa. Ausstellungskatalog zum Pilotprojekt. Berlin 1999
Hans-Joachim Danzmann: Adolf Schlabitz – ein Künstlerporträt, in: Nordsächsische Rundschau 4. September 1993
Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933–1945. Künstler in der Zeit des Nationalsozialismus, Ausst.Kat. Akademie der Künste; Berlin 1994
Detlef Lorenz: Künstlerspuren in Berlin vom Barock bis heute, Dietrich Reimer Verlag; Berlin 2002
Dominik Bartmann (Hrsg.): Anton von Werner. Geschichte in Bildern., Hirmer Verlag; München 1993, (Ausstellungskatalog), S. 270
↑s. Ateliergemeinschaft Klosterstraße - Berlin 1933-1945. Künstler in der Zeit des Nationalsozialismus, Akademie der Künste (Edition Hentrich), Berlin 1994. ISBN 3-894-68134-9 (S. 228)