Ärztlicher Verein zu LübeckDer Ärztliche Verein zu Lübeck wurde am 23. Oktober 1809 in Lübeck gegründet und ist der älteste ärztliche Berufsverband in Deutschland.[1] GeschichteEntstehungsgeschichtlich hat der Ärztliche Verein zu Lübeck zwei Wurzeln, einmal die ärztliche Lesegesellschaft, die 1805 noch vor Gründung des Vereins eingerichtet wurde, und zum anderen die Auswirkungen der Schlacht bei Lübeck 1806 und der Umgang mit den etwa 3000 Toten und ungezählten Verletzten dieser Schlacht zum Beginn der Lübecker Franzosenzeit. Die Lübecker Ärzte trafen sich zunächst lose in der Ratsapotheke und beratschlagten die gemeinsamen Hinweise an den Rat der Stadt zum Umgang mit der eingetretenen kritischen Situation. Daraus entstand der Wunsch nach einer festen Struktur, der im Oktober 1809 unter den maßgeblichen Gründern dem Stadtphysicus Theodor Friedrich Trendelenburg (1755–1827) und Georg Heinrich Behn (1773–1855) als „treibende Kraft“[2][3] mit zehn weiteren Medizinern, also allen Lübecker Ärzten, umgesetzt wurde. Darunter
Das Motto der Gründung des Ärztlichen Vereins war:
– Goethe: Das Märchen
Eine ähnliche Belastung wie im Jahre 1806 ergab sich für die Lübecker Ärzte im Jahr 1814, als Lübeck etliche der 30000 Hamburger aufnahm, die Marschall Davoust aus der Festung Hamburg zu Weihnachten 1813 ausgesperrt hatte. Mit Carstens und Köster starben zwei Lübecker Ärzte in dieser Zeit an Lazarettfieber und ein dritter, Behns Freund und Kollege Matthias Ludwig Leithoff, konnte nur knapp gerettet werden. 1909 feierte der Verein die ersten 100 Jahre seines Bestehens. Zu diesem Jubiläum erschien die erste Geschichte des Vereins und der 37. Deutsche Ärztetag 1909 fand zu Ehren des Vereins bei seinem 100sten Stiftungsfest in Lübeck statt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Verein im Zuge der Gleichschaltung 1936 aufgelöst. Er wurde 1945 unter der Britischen Militärregierung zunächst als Teil der Ärztekammer Schleswig-Holstein neu begründet und hat seit einer Neustrukturierung 1953 nur noch deren Unterstützung als Förderzweck in der Vereinssatzung. Mit dem 62. Deutschen Ärztetag 1959 fand zum zweiten Mal zu Ehren des Vereins bei seinem 150sten Stiftungsfest ein Ärztetag in Lübeck statt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch Peter Monnik geehrt, ein Lübecker Ratsschreiber des 15. Jahrhunderts mit Sinn für Geisteskranke, nach dem der Peter-Monnik-Weg in Lübeck zum 150. Stiftungsfest des Vereins benannt wurde. Der Verein hat heute ca. 450 Mitglieder[4] und seine Geschäftsstelle an der Parade in Lübeck. Weitere Mitglieder (Auswahl)
BibliothekEine der Keimzellen des Vereins war die 1805 gegründete ärztliche Lesegesellschaft; 1819 kam es zur Gründung einer eigenen Bibliothek, die im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts laufend erweitert wurde und an verschiedenen Standorten untergebracht war, zunächst in der Ratsapotheke, dann im Schulcollegien-Witwenhaus oder Attendornstift in der Glockengießerstraße 4 und zeitweilig auch im Gerichtsgebäude in der Großen Burgstraße. Diese Bibliothek des Ärztlichen Vereins wurde 1922 von der Stadtbibliothek Lübeck durch Bemühungen ihres Direktors Willy Pieth erworben. Sie umfasst ca. 30.000 Bände seit dem 16. Jahrhundert,[11] und in ihr haben sich offenbar auch einzelne komplette Gelehrtenbibliotheken, wie die von Joachim Scholvien (promoviert 1715), erhalten. Seit 1993 wird die Bibliothek zusammen mit dem vor 1971 erworbenen medizinischen Altbestand der Stadtbibliothek als Dauerleihgabe in der Bibliothek des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte der Universität Lübeck in der Königstraße verwahrt.[12] Siehe auchVeröffentlichungen
Literatur
WeblinksCommons: Ärztlicher Verein zu Lübeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
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