Die Gemeindeteile von Samerberg liegen östlich des Inns räumlich verstreut auf einem etwa sieben Kilometer langen hügeligen Hochplateau in ca. 600 bis 750 m Höhe ü. NN zwischen Nußdorf im Inntal im Südwesten und Frasdorf an der Autobahn A 8München–Salzburg im Nordosten. Das Pfarrdorf Törwang befindet sich am nordwestlichen Rand des Wohngebiets Samerberg am Hang des Steinbergs.
Geschichte
Während zahlreiche Kirchdörfer des Chiemgaus seit 788 urkundlich nachweisbar sind – darunter auch der zu Samerberg gehörige Weiler Roßholzen –, ist über die frühe Geschichte Törwangs wenig bekannt. Der Ursprung des Dorfnamens ist ungeklärt.[1] Im Jahr 1824 hatte das Dorf elf Wohngebäude und 60 Einwohner.[2] Es war von der Pfarrei Rohrdorf aus seelsorgerisch betreut worden, bis um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein eigener Pfarrer als Vikar bestellt wurde. Seit 1820 sorgte die Stiftung einer alten Wirtin für den Unterhalt des Hilfspfarrers.[1]
Dagegen wird der Weiler Weickersing, der früher zur Gemeinde Törwang gehörte und im 12. Jahrhundert Wohnsitz einer Ministerialen-Familie gewesen war, seit 1120 unter Namen wie Wihecozzingen, Wihegozzingen, Wicozzingen und Wiegozingen häufig in Urkunden erwähnt.[1] In einer lateinischen Schenkungsurkunde der Propstei Berchtesgaden aus dem 12. Jahrhundert heißt Weickersing Wihcozinge.[3]
Im Jahr 1969 wurde in Grainbach, Roßholzen, Steinkirchen und Törwang eine Volksbefragung durchgeführt, um darüber zu entscheiden, ob die vier bis dahin eigenständigen Gemeinden zu einer einzigen Gemeinde mit Verwaltungssitz in Törwang vereinigt werden sollten. Es entschieden sich 88 % der Wähler für dieses Vorhaben, und am 1. Januar 1970 wurde die neue Gemeinde Samerberg durch die Zusammenlegung von Grainbach, Roßholzen, Steinkirchen und Törwang gebildet.[4] Seither ist Törwang Gemeindeteil und Verwaltungssitz von Samerberg.
Vor der Zusammenlegung gehörten zu Törwang folgende Wohnplätze:
Josef Dürnegger (1869–1952), oberbayerischer Heimatforscher, 1901 bis 1952 Pfarrer in Törwang
Bernhard Zoeppritz (1878–1974), Professor für Gynäkologie in Göttingen und Düsseldorf, ab 1943 Frauenarzt in Törwang
Ernst Forsthoff (1902–1974), Staatsrechtler, hatte in Törwang ein Feriendomizil[11]
Christian Doermer (1935–2022), deutscher Schauspieler und Filmemacher, lebte in Törwang
Literatur
Sebastian Dachauer: Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung (Fortsetzung). In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (Historischer Verein von Oberbayern, Hrsg.), Band 4, München 1843, 9. Abschnitt: Beiträge zur Chronik des Pfarrbezirkes Rordorf, S. 244–270, insbesondere S. 254–260 (online).
Törwang, Bezirksamt Rosenheim, Oberbayern, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Törwang).
↑ abcSebastian Dachauer: Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung. 9. Abschnitt: Beiträge zur Chronik des Pfarrbezirks Rordorf. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (Historischen Verein von Oberbayern, Hrsg.), Band 4, München 1843, S. 244–270, insbesondere S. 254–260 (online).
↑ abAdolph von Schaden: Alphabetisches Verzeichniß sämmtlicher im Isarkreise gelegenen Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Einöden usw. (Als Anhang zu dem topographisch=statistischen Handbuche für den Isarkreis des Königreichs Baiern, Digitalisat), München 1825, S. 496 (online)
↑Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte (Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, herausgegeben auf Befehl von Maximilian II., Band 1, München 1856, S. 330 (online)).
↑Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S.561.
↑Adolph von Schaden: Topographisch=Statistisches Handbuch für den Isarkreis des Königreichs Baiern, gedruckt und verlegt auf Kosten der Königl. Regierung des Isarkreises, München 1825, S. 6 (online).
↑ abcdefghijkHistorisches Gemeindeverzeichnis – Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952, Heft 192 der Beiträge zur Statistik Bayerns, herausgegeben vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1953, S. 40 (online, MDZ).
↑Königl. bayerisches Statistisches Bureau: Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern - mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875, München 1877, Sp. 255 (online).
↑Törwang, Bezirksamt Rosenheim, Oberbayern, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Törwang).