Anny Engelmann war die Tochter des Kaufmanns Max Engelmann (1856–unbekannt) und der Ernestine Engelmann, geb. Brecher (1866–1942). Ein Bruder ihrer Mutter war der Psychoanalytiker Guido Brecher. Ihr Bruder Paul Engelmann (1891–1965) wurde Architekt, der Bruder Peter Eng (1892–1939) wurde Grafiker.
Über Anny Engelmanns Ausbildung ist nichts bekannt, für Mädchen gab es nur eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten, als Tochter musste sie hinter der Ausbildung der Brüder zurückstehen, zudem geriet der Vater in eine Geschäftspleite. Auch dass sie sich später um die Eltern kümmerte und von Wien nach Olmütz zurückkehrte, entsprach dem Rollenbild. Wahrscheinlich erhielt sie eine privat organisierte künstlerische Ausbildung. In Olmütz wurde bei der „Gesellschaft der Kunstfreunde in Olmütz“ am 31. Oktober 1920 eine Ausstellung mit ihren Illustrationen für Kinderbücher eröffnet.
In den 1920er Jahren lebte sie immer wieder in Wien. Sie veröffentlichte vornehmlich unter dem Pseudonym „Suska“ (tschechisch „Susannchen“), ihre erste belegbare Veröffentlichung aus dem Jahr 1923 erfolgte unter diesem Künstlernamen. Im Prager Obelisk-Verlag erschien Hans Christian Andersens Märchen Ole Lukøje in deutscher und in tschechischer Sprache, beide Ausgaben mit den Illustrationen von Suska.
Von Suska/Anny/Annie Engelmann lassen sich mehr als 35 illustrierte Bücher bibliographisch nachweisen. Der Verlag Löwensohn in Fürth brachte Kinderbücher in mehreren Sprachen heraus oder übernahm internationale Druckaufträge, in denen die Illustrationen von Suska mehrfache Verwendung fanden.
Unter ihren Aufträgen war auch die Gestaltung der tschechischen Ausgabe von James Matthew BarriesPeter Pan in drei Bänden: „Petr Pan v Kensingtonském Parku“ (1925) und „Petr Pan a Wendy“ (1926, 1927), die in der Kinderbuchreihe „Dětská četba“ („Die Kinder lesen“) erschienen. Der Buchtitel und das Signet der Reihe, deren Herausgeberin Milena Jesenská war, stammten ebenfalls von ihr.
„Drei hervorragende Aquarellbilderbücher von Anny Engelmann hat der Verlag der Gebrüder Stiepel herausgebracht, jedes in seiner Art und alle drei zusammen gleich vorzüglich nach Komposition, Zeichnung und geschmackvoll abgetönter oder auch kräftiger, immer aber heiterer und bunter Farbengebung. Diese drei schönen Bücher heißen: ‚Der Glückspilz‘, ein kleiner Bubenerziehungsroman, dann bunte Geschichten, ‚Kinderherzen‘ und ‚Das tägliche Brot‘ von der Aussaat bis zum Aufessen. Die Texte sind von Paul Reiner, mit dem die Engelmann sehr gut zusammengearbeitet zu sein scheint. Nun haftet aber dem Textdichter Reiner ein wenig Spießerei, zu ausdrückliche Frömmigkeit, viel zuviel Neigung zum Almosengeben und zu andern solchen bürgerlichen Bravheiten an, so daß man nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob diese prachtvollen Kinderbilderwerke auch inhaltlich allen unseren proletarischen Kindern zusagen werden.“
Da sie Jüdin war, waren ihr Mitgliedschaften in diversen Berufsvereinigungen verwehrt, etwa im „Verein der deutschen Malerinnen in der Tschechoslowakei“, auch im Katalog tschechischer öffentlicher Kunstsammlungen ist sie nicht nachweisbar.
Anny Engelmann wurde am 30. Juni 1942 von den Nationalsozialisten mit dem Transport
AAg aus dem besetzten Olmütz (tschechisch Olomouc) in das Konzentrationslager Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort mit dem Transport AAx
am 14. Juli 1942 in das Todeslager Maly Trostinec weiter verschickt.[2] Ihre Mutter wurde am 15. Juli 1942 im Ghetto Theresienstadt genannten Konzentrationslager Opfer der NS-Judenverfolgung (Shoah).
Illustrierte Werke (Auswahl)
Die Maienliesl: Ein Bilderbuch. Erzählung von Paul Rainer. Bilder von Suska. Gebrüder Stiepel, Reichenberg 1923
Die Sonnensusi!. Verse von Paul Rainer. Bilder von Anny Engelmann. Gebrüder Stiepel, Reichenberg 1931
Der Kinder bunte Welt in Garten, Haus und Feld. Schwarz-Verlag, Wien 1932.[7]
Spielkameraden: Ein Bilderbuch. Gebrüder Stiepel, Reichenberg 1935
Literatur
Ursula A. Schneider: Neues von Peter Engelmann (Ps. Peter Eng) und Anny Engelmann (Ps. Suska): die Geschwister von Paul Engelmann, Figuren einer verschwundenen europäischen Moderne. In: Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv, ISSN1027-5649, Band 30 (2011), S. 119–144, uibk.ac.at (PDF)