Graben (Lechfeld)
Graben ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Augsburg. Es ist der Heimatort der Familie Fugger. GeographieLageDer Hauptort liegt etwa 20 Kilometer südlich von Augsburg zwischen Lech und Wertach auf dem Lechfeld. Etwa fünf Kilometer westlich von Graben befindet sich die Stadt Schwabmünchen. GemeindeteileEs gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2][3]
GeschichteBis zur Gemeindegründung955 fand die Schlacht auf dem Lechfeld statt. 1063 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Graben als „ecclesia Grabon“. Der Ortsname wird als Bezug zu der römischen Fernwasserleitung gedeutet, welche, sofern die archäologischen Spuren richtig gedeutet sind, als Kanalleitung mit 2,5 m Tiefe und 7–8 m Breite und mit einem Gefälle von rund 3 Promille möglicherweise aus dem Hurlacher Quellreservoir kommend zur Wasserversorgung des 35 km entfernten Augusta Vindelicum angelegt worden und nach dem Abzug der Römer verfallen war.[4] Siehe dazu auch Anfänge des Augsburger Wasserbaus in der Römerzeit. Bischof Heinrich II. von Augsburg vermachte die Kirche mit 2 Hufen Acker dem Domkapitel zu Augsburg. Das Rittergeschlecht „derer von Graben“ herrschte um 1100 in Graben im Namen des Domkapitels. 1170 erwarben die Grafen von Marstetten Besitz in Graben. 1350 wurde in Graben ein Domherrenamt errichtet. Die Pfarrkirche wurde 1354 neu gebaut. Im Jahre 1367 zog der Gräbinger Weber Hans Fugger nach Augsburg und wurde 1386 zum ersten Zunftmeister der Weber in Augsburg, wodurch der Grundstein für das spätere Wirtschaftsimperium der Fugger gelegt wurde. Die Symbole der beiden Fuggerlinien Fugger vom Reh und Fugger von der Lilie sind noch heute im Gemeindewappen von Graben vereinigt.[5] Das jeweilige Haupt der fürstlichen Linie Fugger-Babenhausen ist seit 1899 automatisch Ehrenbürger von Graben. Lukas Fugger zog 1504 nach Graben zurück. Im selben Jahr erfolgte der Umbau der Kirche von Graben. Der Friedhof um die Kirche wurde 1513 zu einer Kirchenburg ausgebaut. Gräbinger Bauern nahmen 1525 am Bauernkrieg teil. 1625 herrschte die Pest im Dorf. 1635 trat sie wiederum auf. Graben hatte nur noch 80 Einwohner. Das schwedisch-französische Heer lagerte 1648 bei Graben. Ein erster Schulbetrieb in Graben ist 1769 nachzuweisen. 1772 gab es eine Fleckfieberepidemie (Faulfieber) mit 30 Toten. Napoleons Soldaten besetzten Graben im Jahr 1800. Das Domstift Augsburg übte die Grund- und Ortsherrschaft in Graben bis 1803 aus. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss kam der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. 19. und 20. JahrhundertAb 1864 kam das Militär auf das zu Graben gehörende Lechfeld. Ab 1912 begann dort der militärische Flugbetrieb. Seit 7. Juli 1956 ist die Bundeswehr offiziell vor Ort. Seitdem ist Lagerlechfeld wieder Militärflugplatz und Heimat von Teilen des Ausbildungszentrums CIR und des Jagdbombergeschwaders 32. 1978 kam Graben durch die Gemeindegebietsreform zur Verwaltungsgemeinschaft Lechfeld. 1994 wurde der Ort wieder eine Einheitsgemeinde. EinwohnerentwicklungDie Gemeinde wuchs von 1988 bis 2008 um 1601 Einwohner bzw. rd. 88 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1817 auf 3996 um 2179 Einwohner bzw. um 119,9 % – der höchste prozentuale Zuwachs im Landkreis in dem genannten Zeitraum. PolitikBürgermeisterSeit 2008 ist Andreas Scharf Bürgermeister (Bündnis Lechfeld/CSU) Erster Bürgermeister;[6] dieser wurde am 15. März 2020 mit 91,9 % der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Sein Vorgänger war Hans Winkler (CSU). GemeinderatDer Gemeinderat setzt sich aus 16 Mitgliedern zusammen. Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Erste Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 15. März 2020 brachte folgendes Ergebnis:[6]
Wappen
BaudenkmälerBodendenkmälerWirtschaft und InfrastrukturSchulen und Kindergärten
Wirtschaft2011 eröffnete der Versandhändler amazon.de ein Logistikzentrum im Gewerbegebiet Lechfeld, unmittelbar an der B 17.[8] Im April 2012 waren dort 1200 Arbeitskräfte angestellt, in der Weihnachtszeit 2011 zusätzlich rund 1300 Kurzzeit-Beschäftigte.[9] Für die verkehrstechnische Erschließung, auch der ebenfalls dort angesiedelten Logistikzentren der Unternehmen Lidl, Aldi Süd (Kleinaitingen) und DHL, wurde im Oktober 2012 der Haltepunkt Graben (Lechfeld) Gewerbepark an der Bahnstrecke Bobingen–Kaufering eröffnet.[10][11] Im Februar/März 2018 eröffnete der Paketdienst Hermes ein Logistik Center. WeblinksCommons: Graben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
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