GeburtsmechanikAls Geburtsmechanik bezeichnet man das mechanische Zusammenspiel zwischen dem Fetus und dem Geburtskanal während der Geburt. Anatomische GrundlagenAnatomie des GeburtskanalsDer Geburtskanal ist der Teil der Mutter, den das Kind während der Geburt durchschreiten muss, um geboren zu werden. Er besteht zum einen aus dem mütterlichen Becken und zum anderen aus mütterlichen Weichteilen (Gebärmutterhals, Scheide, Vulva). Während das Weichteilgewebe bis zu einem gewissen Grad dehnbar ist, ist das Becken relativ fest. Das Becken besteht allerdings aus drei Teilen, die jeweils über Bänder und Faserknorpel miteinander verbunden sind. Während die Bänder grundsätzlich einen gewissen Bewegungsgrad haben, kommt es in der Schwangerschaft unter dem Einfluss von Hormonen zu einer größeren Beweglichkeit der Bänder und Lockerung der Faserknorpelstrukturen (wie z. B. der Symphyse (=Schambeinfuge)), um das Becken für die Geburt beweglicher und weiter zu machen. Natürlich sind diesem Mechanismus Grenzen gesetzt. Entscheidend für die Geburtsmechanik von mütterlicher Seite sind also die Beckenstrukturen. Hier geht es vor allem um den unteren Teil des Beckens, das auch das "kleine Becken" genannt wird. Das kleine Becken wird anatomisch in vier klassische Ebenen eingeteilt:
In der Geburtshilfe werden jedoch aus Gründen der Vereinfachung die parallelen Ebenen nach Hodge benutzt, welche im Abstand von jeweils 4 cm angeordnet sind und sich nach den Dornfortsätzen des Sitzbeins (Spinae ischiadicae) als Referenz oder Nullebene richten. Anatomie des FetusGeburtsmechanisch entscheidend ist der kindliche Kopf als der Teil des Fetus, der den größten Umfang besitzt. Weiterhin ist der Kopf länger als breit – der Abstand von Stirn zu Hinterkopf ist länger als der Abstand zwischen den beiden Schläfen – also längsoval. Zusätzlich ist der Kopf länger von der Stirn bis zum Hinterkopf als vom Kopfansatz am Hals bis zum obersten Punkt. Dies bedeutet, dass es für die Geburt von Vorteil ist, wenn das Kind mit dem Rücken zur Vorderseite der Mutter liegt, denn dies erlaubt es ihm, mit dem Hinterkopf als führendem Teil ins mütterliche Becken zu treten, welches einen kleineren Platzbedarf ans Becken stellt. Im Gegensatz zum mütterlichen Becken ist das Kind anpassbarer. Der Kopf kann vom Rumpf relativ frei gedreht, gebeugt oder gestreckt werden. Weiterhin sind die Schädelknochen des Kindes noch nicht fest verknöchert und somit der Kopf in einem gewissen Umfang zusammendrückbar. Nach dem Kopf sind die kindliche Schulter und das Becken die breitesten Stellen. GeburtsverlaufÜber den Geburtsmechanismus publizierte 1819 der Arzt und Geburtshelfer Franz Naegele. Der Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal ist aus kindlicher Sicht ein passiver Vorgang und passt sich entsprechend den anatomischen Gegebenheiten den jeweiligen Formen und Weiten des Geburtskanals an. Der Kopf folgt dabei entsprechend den 1906 von Hugo Sellheim durchgeführten Studien über den Geburtsmechanismus nach dem Gesetz vom kleinsten Zwang[1] dem Gesetz des geringsten Widerstands. Dabei verläuft die Geburt aus mechanischer Sicht folgendermaßen:
Einstellungsanomalien des kindlichen Kopfes können diesen normalen Geburtsverlauf erschweren. Literatur
Einzelnachweise
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